Farbkunde
Warum ist derselbe Quarz einmal violett, einmal gelb und einmal rosa? Und was fange ich mit der Angabe an, ein Achat sei rot?
Farbe kommt auf drei ganz verschiedenen Wegen
Wer Farbe für eine Eigenschaft des Steins hält, wird bei fast jeder Bestimmung enttäuscht. Denn es gibt drei grundverschiedene Ursachen — und nur die erste ist verlässlich.
Die Grafik lässt sich seitlich schieben.
Eigenfarbe. Der Farbträger steht in der Formel.
Malachit ist grün, weil er ein Kupfermineral ist;
Azurit ist aus demselben Grund blau, und
Schwefel ist gelb, weil Schwefel gelb ist. Solche Minerale erkennt man tatsächlich an der Farbe — sie können gar nicht anders aussehen.
Fremdfarbe. Hier färben Spuren, die mit dem eigentlichen Mineral nichts zu tun haben, oft in Mengen unter einem Tausendstel. Reiner
Quarz ist farblos. Ein wenig Eisen und natürliche Strahlung machen daraus
Amethyst (violett), erhitzt man denselben Kristall, wird er zu
Citrin (gelb); Spuren von Aluminium ergeben
Rauchquarz, andere Beimengungen
Rosenquarz. Chemisch ist das alles ein und dasselbe Mineral. Hier trägt die Farbe zur Bestimmung nichts bei.
Strukturfarbe. Der schönste Fall: Es ist überhaupt kein Farbstoff im Spiel.
Opal besteht aus winzigen, gleich großen Kieselkugeln; das Licht wird an ihnen gebeugt und in seine Farben zerlegt — dieselbe Physik wie bei einer Seifenblase. Beim
Labradorit entsteht das Blauschimmern an feinen inneren Schichten. Zermahlen ist dieses Farbenspiel weg, obwohl chemisch nichts fehlt.
Der Trick, mit dem man trotzdem etwas erkennt
Wenn die Körperfarbe so unzuverlässig ist — woran hält man sich dann? An der Strichfarbe. Man streicht den Stein über eine unglasierte Porzellanplatte; er hinterlässt Pulver, und dessen Farbe ist bei den meisten Mineralen konstant, auch wenn das Stück selbst ganz anders aussieht.
Die Grafik lässt sich seitlich schieben.
Hämatit ist das Musterbeispiel: Er kann silbrig glänzen, schwarz sein oder rot — sein Strich ist immer rotbraun. Sein Name kommt genau daher, vom griechischen Wort für Blut.
Pyrit sieht aus wie Gold und hinterlässt grünschwarzes Pulver; echtes Gold hinterlässt goldgelbes. Diese Probe hat mehr Goldsucher vor Enttäuschung bewahrt als jedes Labor.
Warum das funktioniert: Im feinen Pulver ist jedes Korn so klein, dass Licht hindurchgeht statt zurückgeworfen zu werden — Struktureffekte und Glanz fallen weg, und übrig bleibt, was das Mineral wirklich absorbiert. Bei sehr harten Steinen versagt die Probe allerdings: Was härter als das Porzellan ist (etwa 6,5), gibt kein Pulver ab, sondern ritzt die Platte.
Und was heißt nun „Achat ist rot“?
Ehrliche Antwort: nichts, und wir haben es eine Zeit lang trotzdem so hingeschrieben. In unserer Datenbank steht beim
Achat korrekt „gebändert in Grau, Weiß, Braun, Rot, Blau“ — das Farbregister zerlegte diesen Satz in einzelne Farbwörter und stellte den Stein daraufhin unter „Rot“, neben Rubin und Granat. Wer dann das Bild ansieht, findet Braun, Weiß und etwas Orange und fragt sich zu Recht, was er mit der Auskunft anfangen soll.
Ein Achat hat keine Farbe — er hat ein Muster. Seine Bänder entstehen, wenn kieselsäurehaltige Lösungen in Hohlräume einsickern und dort Lage um Lage absetzen; jede Lage bringt ihre eigenen Beimengungen mit. Genau darin liegt sein Reiz, und genau das geht verloren, wenn man ihn in eine Farbschublade legt.
Deshalb führt das Register unten eine eigene Gruppe für gebänderte und mehrfarbige Steine, und die Farbgruppe eines Steins ist dort als das gekennzeichnet, was sie ist: unsere Einordnung, keine Eigenschaft des Minerals.
Steine, die zu Farbe wurden
Bevor es die chemische Industrie gab, kam fast jede Farbe aus dem Boden. Die ältesten Malereien der Menschheit sind mit Eisenoxiden gemalt — Rötel und Ocker, beides im Kern gemahlener
Hämatit beziehungsweise verwandte Eisenminerale. Sie halten seit Zehntausenden von Jahren an Höhlenwänden, weil sie chemisch praktisch nicht mehr weiterreagieren können.
Der berühmteste Fall ist Ultramarin, gewonnen aus
Lapislazuli. Der Stein kam über Monate aus dem heutigen Afghanistan, und das Herauslösen des blauen Anteils war so aufwendig, dass das fertige Pigment zeitweise teurer war als Gold. Auftraggeber schrieben im Vertrag fest, wie viel davon der Maler zu verwenden hatte — das Blau des Marienmantels war eine Kostenfrage, keine Geschmacksfrage.
Andere Steine färbten ebenso: gemahlener
Malachit gab Berggrün,
Azurit Bergblau, Zinnober ein leuchtendes Rot, Auripigment ein giftiges Gelb. Die Kehrseite steht schon in den Namen — Zinnober ist eine Quecksilberverbindung, Auripigment eine Arsenverbindung. Viele der schönsten alten Farben waren giftig, und einige haben ihre Maler umgebracht.
Ganz vorbei ist die Zeit übrigens nicht: Das meistverwendete Weißpigment der Welt — in Wandfarbe, Papier, Zahnpasta und Sonnencreme — ist Titandioxid und stammt aus Mineralen wie Rutil.
Was ein Labor daraus macht
Wer Farbe messen statt beschreiben will, hat zwei ganz verschiedene Fragen zu klären: Welcher Farbton ist das genau? und Woher kommt er?
Für die erste Frage gibt es Farbräume, in denen jeder Ton eine Zahl bekommt (CIELAB mit Helligkeit, Rot-Grün- und Blau-Gelb-Anteil); gemessen wird mit einem Spektralphotometer, das den zurückgeworfenen Anteil für jede Wellenlänge aufzeichnet. In der Geologie ist daneben bis heute eine Kartensammlung in Gebrauch, gegen die man das Gestein hält und den nächstliegenden Ton abliest — eine Art genormtes Farbmusterbuch für den Feldeinsatz.
Die zweite Frage beantwortet die Spektroskopie: Welche Wellenlängen ein Mineral verschluckt, verrät, welches Ion dahintersteckt — und ob die Farbe echt gewachsen oder nachträglich erzeugt wurde. Denn im Handel ist Behandeln die Regel, nicht die Ausnahme: Erhitzen, Bestrahlen, Ölen, Färben. Das ist zulässig, solange es angegeben wird — und genau dafür braucht es ein Labor.
Zur vollständigen Bestimmung kommen Verfahren dazu, die mit Farbe nichts mehr zu tun haben: Röntgenbeugung liest den Gitterbau, Röntgenfluoreszenz die Elemente, Raman-Spektroskopie die Bindungen. Erst zusammen ergibt das eine Aussage, die trägt.
Ein schöner Zwischenfall am Rande: Manche Kristalle zeigen je nach Blickrichtung verschiedene Farben — Cordierit etwa blau, gelblich und fast farblos. Es gibt die Vermutung, dass die Wikinger genau das als Sonnenkompass genutzt haben. Belegt ist sie nicht; erwähnt sei sie, weil sie zeigt, wie viel in einer Farbe stecken kann.
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Alle Steine nach Farbgruppen
Von den 1827 Mineralarten mit belegter Farbangabe sind hier die 62 ausgearbeiteten aufgeführt — die übrigen stehen im Verzeichnis. Die Gruppe ist unsere Einordnung, keine Eigenschaft des Minerals: Wir lesen sie aus der Farbangabe der Datenbank ab. Wo mehrere Farben nebeneinander stehen, erscheint ein Stein mehrfach; wo ein Muster genannt ist, steht er in der Gruppe ganz unten.
rot
Amethyst
Anhydrit
Aragonit
Aventurin
Bernstein
Beryll
Calcit
Disthen
Fluorit
Granat
Karneol
Mikroklin
Obsidian
Opal
Orthoklas
Prehnit
Rhodochrosit
Rhodonit
Rosenquarz
Rubin
Saphir
Sphalerit
Spinell
Tigerauge
Topas
Zirkon
Zoisit
orange und braun
Anhydrit
Aventurin
Bernstein
Calcit
Citrin
Dolomit
Epidot
Fluorit
Gips
Karneol
Obsidian
Opal
Orthoklas
Rauchquarz
Rhodochrosit
Saphir
Sphalerit
Spinell
Tigerauge
Topas
Zirkon
gelb
Aragonit
Baryt
Bernstein
Beryll
Calcit
Citrin
Disthen
Dolomit
Epidot
Fluorit
Gips
Malachit
Mikroklin
Muskovit
Opal
Orthoklas
Prehnit
Pyrit
Rhodochrosit
Rhodonit
Saphir
Sodalith
Sphalerit
Spinell
Talk
Tigerauge
Topas
Zirkon
Zoisit
grün
Amazonit
Aquamarin
Aventurin
Baryt
Bernstein
Beryll
Calcit
Chrysokoll
Disthen
Epidot
Fluorit
Jadeit
Labradorit
Malachit
Mikroklin
Muskovit
Nephrit
Prehnit
Saphir
Smaragd
Sodalith
Sphalerit
Spinell
Talk
Zirkon
Zoisit
blau
Amazonit
Anhydrit
Aquamarin
Aragonit
Azurit
Beryll
Calcit
Chrysokoll
Disthen
Fluorit
Lapislazuli
Mondstein
Saphir
Sodalith
Spinell
Tigerauge
Topas
Türkis
Zirkon
Zoisit
violett
Amethyst
Anhydrit
Disthen
Fluorit
Spinell
Topas
schwarz und grau
Anhydrit
Baryt
Bernstein
Calcit
Chalcedon
Disthen
Galenit
Gips
Graphit
Jadeit
Labradorit
Magnetit
Malachit
Mikroklin
Nephrit
Obsidian
Opal
Orthoklas
Prehnit
Rauchquarz
Rhodochrosit
Rhodonit
Sodalith
Sphalerit
Spinell
Talk
Zoisit
weiß und farblos
Amazonit
Anhydrit
Aragonit
Baryt
Bergkristall
Bernstein
Beryll
Calcit
Chalcedon
Diamant
Disthen
Dolomit
Fluorit
Galenit
Gips
Jadeit
Korund
Labradorit
Mikroklin
Mondstein
Muskovit
Nephrit
Opal
Orthoklas
Prehnit
Quarz
Rhodochrosit
Saphir
Sodalith
Sphalerit
Spinell
Talk
Topas
Zirkon
Zoisit
gebändert und mehrfarbig
Diese Steine tragen keine Farbe, sondern ein Muster. Sie in eine Farbschublade zu legen hieße, das Einzige wegzulassen, was sie kennzeichnet.
Achat
Chalkopyrit
Hämatit
Jaspis
Onyx
Und ihre Strichfarben
50 der ausgearbeiteten Steine tragen eine belegte Strichfarbe. Sie ist das Verlässlichere: Sie ändert sich nicht mit dem Stück.
| Stein | so sieht er aus | so ist sein Strich |
|---|---|---|
| gebändert in Grau, Weiß, Braun, Rot, Blau | Weiß | |
| violett, von zartem Flieder bis Purpur | Weiß | |
| farblos bis weiß; seltener hellblau, hellviolett bis rosa, rötlich, hellbraun, grau | Weiß | |
| Farblosigkeit · Gelb · Blau · Rosa | Weiß | |
| tiefblau (Azurblau, Berliner Blau) | Hellblau | |
| farblos, weiß, grau, gelblich, bräunlich, rötlich, grünlich, bläulich | Weiß | |
| honiggelb, gelbweiß, orange, rot, grünlich, braun, schwarz, selten blass | weiß | |
| variabel, oft blau, grün, gelb, rosa, rot, weiß, farblos | Weiß | |
| meist farblos, milchig weiß, grau, gelb, rosa, rot, blau, grün, braun bis schwarz | Weiß | |
| bläulich, grau, weiß, wachsartig | Weiß | |
| gold- bis messinggelb; nach einiger Zeit bunt anlaufend | grünlichschwarz bis schwarz | |
| blau und grün in verschiedenen Zusammensetzungen und Farbtönen | weiß | |
| farblos, verschiedene Farben durch Verunreinigungen oder Gitterdefekte möglich | Weiß | |
| farblos, weiß, grau, hell- bis dunkelblau, blauviolett, bräunlich; selten grünlich, gelblich, rosa bis rötlich, schwarz | Weiß | |
| farblos, weiß, gelb, braun | Weiß | |
| variabel, oft dunkelgrün, gelbbraun | weiß | |
| Purpur · Lila · Grün · Blau · Rosa · Champagner (Farbe) · Farblosigkeit · Braun · Gold | Weiß | |
| bleigrau; auf polierten Flächen rein weiß | bleigrau | |
| farblos, weiß, gelblich, rötlich, grau, braun | Weiß | |
| Rot | Weiß | |
| stahlgrau bis eisenschwarz | Schwarz | |
| stahlgrau bis schwarz, rotbraun, bunt anlaufend, rot verwitternd | kirschrot bis rotbraun | |
| grün in allen Variationen bis schwarz, seltener weiß oder farblos | Weiß | |
| orangerot bis braunrot | Weiß | |
| farblos, durch Verunreinigungen variabel gefärbt, fast alle Farbtöne sind möglich | Weiß | |
| farblos, weiß bis dunkelgrau, grün | Weiß | |
| schwarz, im Auflicht auch grau mit bräunlicher Tönung | Schwarz | |
| hell- bis dunkelgrün, schwarzgrün; im Durchlicht grün bis gelbgrün | Grün | |
| farblos, weiß, grau, rosa, gelb, rot, grün | weiß | |
| farblos bis weiß mit blauem Schimmer | Weiß | |
| farblos, gelblich, bräunlich, selten rötlich, grünlich | Weiß | |
| höchst vielfältig, farblos oder milchig, grau, braun, rot, gelb | Weiß | |
| farblos, weiß, grau, braun, gelb, rot, rosa | Weiß | |
| farblos, weiß, grau, gelblich, rosa, hell- bis dunkelgrün | weiß | |
| copper · Gold | Schwarz | |
| farblos, weiß, alle Farben möglich | Schwarz | |
| rauchgrau, braun bis schwarzbraun (Morion) | Weiß | |
| rosarot bis graubraun, weiß, gelb, schwarze Außenkruste | Weiß | |
| rosa bis rot, bräunlichrot, graugelb | Weiß | |
| rot bis purpurrot | Weiß | |
| blau, außerdem gelb, grün, rosaorange, farblos | weiß | |
| grün bis tiefgrün | Weiß | |
| farblos, weiß, gelblich, grünlich, hell- bis dunkelblau, rötlich; in dünnen Schichten farblos bis grau | Weiß | |
| farblos, rot, grün, gelb, braun bis schwarz durch Gehalt an Eisensulfid | gelblich bis dunkelbraun, nie schwarz | |
| farblos, rot, orange, gelb, grün, blau, indigo, violett, braun, schwarz | Weiß | |
| farblos, weiß, grau, grünlich, gelblich | Weiß | |
| variabel, oft gelbbraun, blau, violett, rot, farblos | Weiß | |
| Türkis | grünlichweiß | |
| gewöhnlich braun und braunrot, seltener gelb, grün, blau und farblos | Weiß | |
| farblos, gelb, grün, rosa, rot, blau, grau | weiß |
Woher das hier stammt
Die Einteilung nach Eigen-, Fremd- und Strukturfarbe, die Wirkungsweise der Strichprobe und die Angaben zu den mineralischen Pigmenten sind am 20.08.2026 aus den Fachartikeln der Wikipedia zu Strichfarbe, Ultramarin, Zinnober und Pleochroismus geprüft worden. Der Rohtext liegt als Beleg bei uns — kein Satz dieser Seite stammt von dort. Farben und Strichfarben der einzelnen Steine kommen aus unserer eigenen Datenbank und tragen je Wert ihre Fundstelle (Quellen). Die Vermutung zum Sonnenkompass der Wikinger ist als Vermutung gekennzeichnet, weil sie eine ist.