Dichtekunde
Zwei gleich große Steine, und der eine wiegt das Dreifache. Woher kommt das — und warum ist genau diese Zahl die ehrlichste Auskunft, die ein Mineral über sich gibt?
Dichte verrät die Zusammensetzung, nicht das Aussehen
Die Dichte sagt, wie viel Masse in einem Kubikzentimeter steckt. Sie hängt an zwei Dingen: welche Atome im Gitter sitzen und wie dicht sie gepackt sind. Beides ist eine Eigenschaft des Stoffes selbst und lässt sich nicht durch eine Beimengung vortäuschen, die eine Farbe ändert. Deshalb ist die Dichte eine der verlässlichsten Bestimmungsgrößen überhaupt — verlässlicher als jede Farbe und oft eindeutiger als die Härte.
Die Grafik lässt sich seitlich schieben.
Die Skala fängt bei Wasser an, weil dessen Dichte der Bezugswert ist.
Bernstein liegt mit etwa 1,08 knapp darüber — er sinkt in Süßwasser und schwimmt in kräftig gesalzenem. Genau das ist die klassische Echtheitsprobe, und sie funktioniert, weil die meisten Fälschungen aus dichterem Kunstharz bestehen.
Quarz mit 2,65 ist der Normalfall der Erdkruste; alles, was deutlich darüber liegt, enthält schwere Elemente —
Baryt sein Barium,
Galenit sein Blei.
Der Trick des Archimedes — und warum er heute noch benutzt wird
Das Verfahren ist über zweitausend Jahre alt und in seiner Anlage unverändert. Nach der Überlieferung des Vitruv sollte Archimedes prüfen, ob die Weihekrone des Herrschers Hieron wirklich aus reinem Gold bestand — ohne sie zu beschädigen. Er tauchte die Krone in ein volles Gefäß und maß das überlaufende Wasser; dann tat er dasselbe mit einem Goldbarren, der genauso viel wog.
Die Grafik lässt sich seitlich schieben.
Die Krone verdrängte mehr Wasser. Gleiche Masse, größeres Volumen — also geringere Dichte, also gestreckt. Dass die Geschichte mit dem Ausruf im Bad hübsch ausgeschmückt ist, ändert am Verfahren nichts: Ein Mineral wird bis heute in Luft und dann eingetaucht gewogen, und aus dem Unterschied ergibt sich die Dichte auf zwei Stellen genau. Es ist die einzige Bestimmungsgröße, die nichts vom Stein wegnimmt — anders als Ritzprobe, Strichprobe und Spaltprobe.
Warum Goldwaschen ausschließlich hierauf beruht
Eine Waschpfanne unterscheidet nicht nach Farbe und nicht nach Glanz. Sie unterscheidet nach Dichte: Gold ist mit 19,3 rund siebenmal so dicht wie der Quarzsand, in dem es liegt. Bewegt man beides im Wasser, sinkt das Gold zuerst und bleibt unten, während der Sand über den Rand geht. Derselbe Vorgang hat vorher schon in der Natur stattgefunden — ein Fluss sortiert seine Fracht nach Dichte und legt das Schwere dort ab, wo er langsamer wird (Abbaukunde).
Dasselbe Prinzip in Industriemaßstab heißt Schweretrennung und ist bis heute der erste Aufbereitungsschritt in vielen Bergwerken: Man muss nicht wissen, welches Korn welches ist — es genügt, das Gemenge in Bewegung zu halten.
Was unsere Datenbank dazu sagt — und ein Fehler, den sie enthielt
Für 1.795 Minerale ist die Dichte belegt, bei den ausgearbeiteten Porträts für 47. Der schwerste Eintrag unseres Verzeichnisses ist ein Platinmineral, der leichteste
Bernstein.
⛔ Und ein Befund in eigener Sache, weil er hierher gehört: Beim Aufbau dieser Seite stellte sich heraus, dass zehn Dichteangaben um den Faktor 1000 daneben lagen — Baryt stand mit 4.423,71 statt 4,42. Die Ursache war keine falsche Quelle, sondern eine weggeworfene Einheit: Wikidata gibt die Dichte teils in Gramm je Kubikzentimeter an und teils in Kilogramm je Kubikmeter, und unser Importeur las nur die Zahl. Behoben, die Einheit wird jetzt mitgelesen. Ein Wert blieb danach leer, weil die Quelle selbst 50.000 g/cm³ behauptet — das ist keine Umrechnung mehr, sondern ein Fehler im Bestand von Wikidata. Wir lassen das Feld lieber leer.
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Unsere Steine nach ihrer Dichte
47 Porträtsteine tragen einen belegten Dichtewert in Gramm je Kubikzentimeter. Wo die Quelle eine Spanne angibt, ordnen wir nach ihrem unteren Wert.
unter 2,0 — leichter als das meiste Gestein (2)
2,0 bis 3,0 — der Normalfall der Erdkruste (22)
Opal
Graphit
Sodalith
Gips
Mikroklin
Orthoklas
Mondstein
Rauchquarz
Achat
Türkis
Beryll
Quarz
Rosenquarz
Onyx
Labradorit
Calcit
Talk
Muskovit
Prehnit
Dolomit
Aragonit
Anhydrit
3,0 bis 4,0 — spürbar schwer in der Hand (14)
Fluorit
Zoisit
Jadeit
Epidot
Diamant
Topas
Rhodonit
Spinell
Disthen
Rhodochrosit
Azurit
Malachit
Saphir
Korund
4,0 bis 6,0 — enthält schwere Elemente (8)
Rubin
Chalkopyrit
Sphalerit
Baryt
Zirkon
Pyrit
Hämatit
Magnetit
über 6,0 — Erz oder gediegenes Metall (1)
Woher das hier stammt
Die Angaben dieser Seite sind am 20.08.2026 an den Fachartikeln zu Dichte, Archimedisches Prinzip, Archimedes, Osmium und Goldsucher geprüft worden. Der Rohtext liegt bei uns als Beleg — kein Satz dieser Seite stammt von dort. Werte zu einzelnen Steinen kommen aus unserer eigenen Datenbank und tragen je Angabe ihre Fundstelle (Quellen). Die Kronen-Geschichte ist bei Vitruv überliefert, rund zwei Jahrhunderte nach Archimedes — wir geben sie als Überlieferung wieder, das Verfahren dahinter ist davon unberührt.