Glanzkunde
Warum glänzt der eine Stein wie poliertes Metall, der andere wie eine Glasscherbe und der dritte wie eingeölt? Und warum ist ausgerechnet diese scheinbar subjektive Größe eine der nützlichsten im Gelände?
Glanz ist Spiegelung — Mattheit ist Streuung
Trifft Licht auf eine Oberfläche, kann es auf zwei Arten zurückkommen. Spiegelnd: alle Strahlen in dieselbe Richtung, der Einfallswinkel gleich dem Ausfallswinkel. Oder diffus: in alle Richtungen zerstreut. Das erste nennen wir Glanz, das zweite Mattheit. Ob eine Fläche glänzt, hängt deshalb an ihrer Feinstruktur — eine Spaltfläche, die atomar glatt ist, spiegelt; eine raue Bruchfläche desselben Minerals tut es nicht (Spaltkunde).
Das erklärt eine Eigenheit, die Anfänger irritiert: Ein Mineral kann an derselben Stufe verschieden glänzen.
Muskovit zeigt auf der Spaltfläche Perlglanz und an der Kante fast nichts;
Gips glänzt als Fasergips seiden und als klare Tafel wie Glas. Der Glanz gehört der Fläche, nicht dem Stoff allein.
Woher der Unterschied zwischen Metall und Glas kommt
Der springende Punkt ist, was mit dem Licht passiert, das nicht zurückgeworfen wird. Bei einem durchsichtigen Mineral tritt es ein, wird gebrochen und kommt teils wieder heraus — das ergibt den hellen, aber durchscheinenden Glasglanz. Bei einem Metall oder metallisch gebundenen Erz können die frei beweglichen Elektronen dem Lichtfeld folgen und werfen es fast vollständig zurück: kein Licht dringt ein, das Mineral ist undurchsichtig, und es entsteht Metallglanz.
Je stärker ein durchsichtiges Mineral das Licht bricht, desto mehr wird schon an der Oberfläche zurückgeworfen — bei sehr hohen Werten wird aus Glasglanz der grellere Diamantglanz. Das ist kein anderer Vorgang, sondern derselbe eine Stufe weiter (Lichtkunde). Fett-, Harz-, Perl- und Seidenglanz schließlich sind Glasglanz mit einer Störung: feine Unebenheiten, eine Schichtung oder eine Faserung streuen einen Teil mit — daher der weichere Eindruck.
Die Grafik lässt sich seitlich schieben.
| Glanz | Woran man ihn erkennt | Beispiel |
|---|---|---|
| Glasglanz | wie eine Glasscherbe — der häufigste Fall überhaupt | |
| Metallglanz | undurchsichtig und spiegelnd wie poliertes Metall | |
| Diamantglanz | greller als Glas, weil das Licht stärker gebrochen wird | |
| Fettglanz | wie eingeölt — feine Unebenheiten streuen mit | |
| Perlglanz | schimmernd auf Spaltflächen, wie das Innere einer Muschel | |
| Seidenglanz | auf faserigen Aggregaten, der Schimmer wandert | |
| Harzglanz | stumpfer als Glas, wie erstarrtes Harz | |
| matt | gar kein Glanz — die Oberfläche streut das Licht in alle Richtungen | — |
Der Glanz allein reicht nicht — der Strich entscheidet
Ein angelaufener
Pyrit kann stumpf aussehen, ein dunkler
Sphalerit fast metallisch. Deshalb wird der Glanz nie allein befragt, sondern immer mit der Strichfarbe zusammen: der Farbe des Pulvers, abgerieben an einer unglasierten Porzellanfliese. Sie ist unbestechlich, weil sie von Oberfläche, Anlauf und Stückgröße unabhängig ist (Farbkunde).
Die Grafik lässt sich seitlich schieben.
Die Tafel hat eine praktische Pointe: Zwei der vier Felder sind fast leer. Metallglanz mit hellem Strich kommt kaum vor, nichtmetallischer Glanz mit dunklem Strich selten. Zwei Fragen ohne Werkzeug trennen damit die Erze von allem anderen — und das ist im Gelände die erste Entscheidung, die zählt.
Was unsere Datenbank dazu sagt
Für 1.755 Minerale ist eine Glanzangabe belegt, bei den ausgearbeiteten Porträts für 42. Die Zählung in der Grafik ist eine Zählung über Teilzeichenketten: Ein Eintrag „Glasglanz, Perlglanz auf Spaltflächen“ zählt für beide Arten, weil er auch für beide gilt.
⚠ Und eine Angabe der Quelle bleibt stehen, wie sie ist: „nicht definiert“. Sie heißt nicht „matt“, sondern „hier wurde nichts festgelegt“. Wer daraus einen Wert macht, erfindet einen (prinzipien.md §7).
Sehen
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Unsere Steine nach ihrem Glanz
42 Porträtsteine tragen eine belegte Glanzangabe. Ein Stein kann mehrfach erscheinen — viele Minerale zeigen je nach Fläche zwei Arten.
Glasglanz (25)
Anhydrit
Aragonit
Baryt
Beryll
Calcit
Chrysokoll
Disthen
Dolomit
Epidot
Fluorit
Gips
Labradorit
Malachit
Mikroklin
Mondstein
Muskovit
Orthoklas
Prehnit
Quarz
Rhodochrosit
Saphir
Sodalith
Spinell
Topas
Zoisit
Metallglanz (6)
Chalkopyrit
Galenit
Graphit
Hämatit
Magnetit
Pyrit
Diamantglanz (6)
Azurit
Diamant
Korund
Malachit
Sphalerit
Zirkon
Fettglanz (10)
Anhydrit
Aragonit
Bernstein
Beryll
Chrysokoll
Opal
Quarz
Sodalith
Talk
Zirkon
Perlglanz (3)
Disthen
Mikroklin
Rhodochrosit
Seidenglanz (3)
Harzglanz (1)
matt (12)
Bernstein
Chrysokoll
Disthen
Graphit
Hämatit
Jadeit
Labradorit
Magnetit
Malachit
Muskovit
Spinell
Türkis
Woher das hier stammt
Die Angaben dieser Seite sind am 20.08.2026 an den Fachartikeln zu Glanz, Brechung, Strichfarbe und Pyrit geprüft worden. Der Rohtext liegt bei uns als Beleg — kein Satz dieser Seite stammt von dort. Werte zu einzelnen Steinen kommen aus unserer eigenen Datenbank und tragen je Angabe ihre Fundstelle (Quellen). Die Zahlen der Grafik sind in unserer eigenen Datenbank gezählt, über Teilzeichenketten — ein Eintrag „Glasglanz, Perlglanz“ zählt für beide.