Abbaukunde
Wie kommt ein Stein aus dem Berg — und wer hat dafür gearbeitet, bevor er im Regal liegt?
Drei Wege, und der dritte ist der älteste
| Weg | Wie er arbeitet | Was er kostet | Typisch dafür |
|---|---|---|---|
| Tagebau | Die Decke wird abgeräumt, das Vorkommen von oben abgetragen. | sehr großer Flächenverbrauch | Kupfer, Braunkohle, viele Eisenerze |
| Untertagebau | Schächte und Strecken führen zum Vorkommen im Berg. | teuer, gefährlich, aber flächenschonend | Steinsalz, Erzgänge, Diamant |
| Seife | Der Fluss hat die Arbeit schon getan und das Schwere sortiert. | kaum Technik nötig — deshalb dort der Kleinbergbau | Gold, Zinn, Zirkon, Diamant |
Der dritte Weg verdient eine eigene Erklärung, weil er der Grund dafür ist, dass Menschen seit Jahrtausenden Steine finden, ohne je gegraben zu haben.
Die Seife: der Fluss hat schon sortiert
Verwittert ein Gestein, wird alles, was darin steckte, mitgenommen und flussabwärts getragen. Dabei passiert etwas, das keine Maschine besser könnte: Das Schwere und Widerstandsfähige sinkt zuerst und sammelt sich an bestimmten Stellen — in Prallhang-Kehren, hinter Felsstufen, in alten Flussschlingen. Solche natürlichen Anreicherungen heißen Seifen. Genau deshalb sind gerade die harten, dichten und chemisch trägen Minerale in ihnen zu finden: Gold, Zinnstein,
Zirkon,
Granat,
Diamant.
Man unterscheidet sie danach, wer die Sortierarbeit gemacht hat: residuale Seifen bleiben an Ort und Stelle liegen, eluviale rutschen den Hang hinab, alluviale entstehen in fließendem Wasser, Strandseifen im Wellenschlag, marine bei steigendem Meeresspiegel, äolische im Wind der Wüsten. Die größte bekannte Goldseife der Welt liegt im Witwatersrand bei Johannesburg. Und auch in Mitteleuropa wurde bis vor gut hundert Jahren an Rhein, Donau, Isar, Inn und Salzach Gold gewaschen — man prägte daraus eigene Schaumünzen.
Ein Nebenbefund, der zeigt, wie nah das liegt: In der sächsischen Göltzsch fand man ab 1994 die größten Edelsteinzirkone Europas — geschliffen bis 11 Karat, der größte Rohkristall maß 4,4 × 3,6 × 3,8 Zentimeter und wog 120 Gramm.
Der schöne Stein hat meistens keine Maschine gesehen
Die Grafik lässt sich seitlich schieben.
Das ist die Zahl, die das Bild vom Bergbau umdreht. Unter Kleinbergbau versteht man die Gewinnung mit einfachen, nicht industriellen Mitteln — Hacke, Schaufel, Pfanne, allenfalls eine kleine Pumpe. 2017 arbeiteten weltweit rund 7 Millionen Menschen im industriellen Bergbau und etwa 40 Millionen im Kleinbergbau. Rechnet man die Nebengewerbe hinzu, hängen ungefähr hundert Millionen Menschen davon ab.
Und dieser Sektor liefert nicht Reste, sondern das Beste: rund vier Fünftel aller
Saphir, ein Fünftel aller Diamanten, ein Viertel des Goldes und des Zinns. Beim Tantal, das in jedem Mobiltelefon steckt, war der Anteil 2020 nahezu vollständig. Trotzdem hat der Kleinbergbau, wie es im Fachartikel nüchtern heißt, kaum eine Marktmacht: Die Preise werden anderswo gemacht.
Was das kostet — und wer es bezahlt
Die Arbeit ist gefährlich und die Aufbereitung giftig. Um Gold aus dem Sand zu holen, wird es mit Quecksilber zu einem Amalgam verbunden und dieses anschließend über offener Flamme abgebrannt — das Quecksilber verdampft dabei in die Luft der Menschen, die daneben stehen. Schätzungen gehen von mehreren hundert Tonnen jährlich allein im Kleinbergbau aus. Im Boden und im Wasser wird daraus Methylquecksilber, das sich in Fischen anreichert.
Dazu kommen ungesicherte Schächte, fehlende Schutzausrüstung, Silikose durch Staub, Blei aus der Silberaufbereitung und saure Grubenwässer, die noch Jahrzehnte nach dem Ende des Abbaus austreten. In der Aufbereitung arbeiten vielfach Frauen mit ihren Kindern daneben; in manchen Regionen ist Zwangsarbeit dokumentiert. Die Minamata-Konvention verpflichtet die Unterzeichnerstaaten, das Quecksilber aus diesem Sektor herauszubekommen.
Das steht hier nicht, um jemandem die Freude an einem Stein zu nehmen. Es steht hier, weil ein Wissensportal die Frage beantworten sollte, die im Laden niemand stellt — und weil ein Kunde, der sie kennt, anders nach Herkunft fragt.
Warum man einem Stein die Herkunft nicht ansieht
Beim Diamanten ist daraus ein eigenes Kapitel Weltpolitik geworden. Als Konflikt- oder Blutdiamant gilt ein Stein, mit dessen Erlös ein gewaltsamer Konflikt finanziert wird. Das Problem ist technischer Natur: Man kann einem geschliffenen Diamanten seine Herkunft nicht ansehen, und Papiere lassen sich fälschen.
Anfang 2003 einigten sich Industrie und Staaten deshalb auf den Kimberley-Prozess, ein System staatlicher Herkunftszertifikate. Es ist eine Selbstverpflichtung: nicht bindend, kaum sanktionsfähig, von außen schwer prüfbar. In der Europäischen Union gilt seit Ende 2002 immerhin eine rechtsverbindliche Verordnung. Dass der Prozess reformbedürftig ist, sagen inzwischen mehrere seiner eigenen Mitglieder.
Was wir selbst wissen — und was nicht
Unsere Datenbank führt 1.062 Fundangaben zu 113 Ländern, jede am Fachartikel gemessen und mit Fundstelle hinterlegt. Ein Eintrag bezeichnet ein Land, nicht eine Grube — er sagt, wo ein Mineral vorkommt, nicht, woher ein einzelnes Stück stammt. Diese beiden Dinge werden im Handel gern verwechselt, und wir vermeiden das ausdrücklich.
Über die Lieferkette eines konkreten Steins können wir nichts sagen, solange wir sie nicht kennen — und wir werden nichts behaupten, was wir nicht belegen können. Wo wir später Ware anbieten, wird dort stehen, was der Lieferant uns bestätigt hat, und sonst nichts.
Sehen
Erst auf Klick. Die Filme liegen bei YouTube. Das Standbild liegt auf unserem Server — solange Sie nicht klicken, wird von dort nichts geladen und es gehen keine Daten dorthin. Ein Klick startet den Film. Damit gilt die Datenschutzerklärung von Google.
Wo unsere Steine herkommen
113 Länder stehen in unserer Datenbank als Fundland. Aufgeführt sind die zwanzig mit den meisten Mineralen. Ein Eintrag meint ein Land, keine einzelne Fundstelle — und die Reihenfolge sagt mehr über die Fachliteratur als über die Erde: Wo viel geforscht und geschrieben wird, steht viel geschrieben.
Vereinigte Staaten 32 Brasilien 29 Deutschland 28 Österreich 27 Indien 23 Südafrika 23 Russland 22 Norwegen 21 Australien 20 China 20 Kanada 20 Madagaskar 20 Mexiko 20 Schweiz 19 Tschechien 19 Frankreich 18 Namibia 18 Italien 17 Polen 17 Schweden 17
Woher das hier stammt
Die Angaben dieser Seite sind am 20.08.2026 an den Fachartikeln zu Bergbau, Tagebau, Seifenlagerstätte, Kleinbergbau, Konfliktdiamant und Artisanal mining geprüft worden. Der Rohtext liegt bei uns als Beleg — kein Satz dieser Seite stammt von dort. Werte zu einzelnen Steinen kommen aus unserer eigenen Datenbank und tragen je Angabe ihre Fundstelle (Quellen). Zum Anteil des Kleinbergbaus am Tantal nennen die beiden Quellen unterschiedliche Zahlen (rund 100 Prozent der Förderung 2020 gegenüber 26 Prozent des Weltangebots). Beide stehen im Text.