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Namenkunde

Woher hat ein Stein seinen Namen — und warum heißt ausgerechnet der Amethyst nach einem Versprechen, das er nicht halten kann?

Sechs Wege zu einem Namen

Mineralnamen sind kein System, sondern eine Ablagerung: Jede Epoche hat ihre Schicht hinterlassen. Die ältesten Namen beschreiben, was man sah oder wo man es fand; die jüngsten ehren Menschen und Institute.

Sechs Wege zu einem Namennach einem OrtAchatnach dem Fluss Achates auf Sizilien, wo er in Mengen lagnach einer EigenschaftBarytvon griechisch barys, „schwer“ — man spürt es beim Aufhebennach der FarbeMalachitvon griechisch maláchē, „Malve“ — nach dem Grün der Blätternach einem VersprechenAmethyst„dem Rausche entgegenwirkend“ — ein Versprechen, das er nicht nach einem IrrtumKobaltvom Berggeist Kobold, der angeblich das Silber gestohlen hattenach einem MenschenHaidingeritnach dem Mineralogen Wilhelm Haidinger — die häufigste Art seiGrob chronologisch: Orte und Eigenschaften sind alt, Personennamen kamen mit der wissenschaftlichen Mineralogie auf.

Die Grafik lässt sich seitlich schieben.

WegBeispielWoher
nach einem OrtAchatnach dem Fluss Achates auf Sizilien, wo er in Mengen lag
nach einer EigenschaftBarytvon griechisch barys, „schwer“ — man spürt es beim Aufheben
nach der FarbeMalachitvon griechisch maláchē, „Malve“ — nach dem Grün der Blätter
nach einem VersprechenAmethyst„dem Rausche entgegenwirkend“ — ein Versprechen, das er nicht hält
nach einem IrrtumKobaltvom Berggeist Kobold, der angeblich das Silber gestohlen hatte
nach einem MenschenHaidingeritnach dem Mineralogen Wilhelm Haidinger — die häufigste Art seit 1800

Der Amethyst und sein gebrochenes Versprechen

Amethyst kommt von altgriechisch améthystos„dem Rausche entgegenwirkend“. Wer den Stein trug oder aus einem Becher aus ihm trank, sollte vom Wein nicht betrunken werden. Der Aberglaube hat eine hübsche und sehr irdische Wurzel: In der Antike wurde Rotwein mit Wasser verdünnt, und verdünnter Rotwein hat genau jenen hellen Violettton, den der Stein trägt. Wer den blassen Wein trank, wurde tatsächlich langsamer betrunken — nur lag das am Wasser, nicht am Stein.

Ein zweiter Fall zeigt, dass ein Name auch etwas Richtiges festhalten kann: Disthen heißt nach griechisch kýanos, „tiefblau“ — den Namen gab ihm Abraham Gottlob Werner 1789. Derselbe Stein trägt aber noch einen zweiten: Disthen, von dís sthénos, „zweifache Stärke“, vergeben von René-Just Haüy 1801. Der zielt auf eine echte Merkwürdigkeit: Das Mineral ist in zwei Richtungen verschieden hart — längs mit dem Messer ritzbar, quer nicht (Härtekunde). Ein Name als Messbefund.

Und einer, der aus purem Ärger entstand: Kobalt heißt nach dem Berggeist Kobold. Die sächsischen Bergleute hielten das Erz für wertlos und glaubten, ein Kobold habe ihnen das Silber gestohlen und dieses Zeug dafür hingelegt. Beim Nickel ging es genauso zu — „Kupfernickel“ war das Erz, das aussah wie Kupfererz und keines hergab.

Wer heute Namen vergibt — und warum es Regeln braucht

Seit 1959 entscheidet eine Kommission der International Mineralogical Association darüber, was als eigenständige Mineralart gilt und wie sie heißt. Ohne diese Instanz hätte jedes Museum seine eigenen Namen: Vor ihrer Einrichtung trug dasselbe Mineral je nach Land und Lehrbuch verschiedene Bezeichnungen — Nephrit hieß bei einem Autor Beilstein, bei einem anderen Punammustein.

Die Endung -it (englisch -ite) ist dabei die Regel, nicht das Gesetz: Sie geht auf griechisch -ítēs zurück und war schon in der Antike an Steinnamen üblich. Die alten Namen ohne diese Endung — Quarz, Gips, Talk, Feldspat, Glimmer — sind die Ausnahmen, und man erkennt an ihnen, welche Minerale so lange bekannt sind, dass sie ihren Namen vor jeder Systematik bekamen.

Was unsere Datenbank dazu sagt

Für 49 unserer ausgearbeiteten Steine ist die Namensherkunft belegt — als eigenes Feld, das aus Wikidata gemessen ist und nicht aus einer Erzählung stammt. Für den Rest des Verzeichnisses fehlt sie größtenteils; die Angabe ist dort selten gepflegt.

⚠ Und eine Warnung, die zu dieser Seite gehört: Eine Namensdeutung ist ein philologischer Befund, kein mineralogischer. Bei alten Namen sind mehrere Herleitungen im Umlauf, und manche sind später erfunden worden, um einen Namen zu erklären, den niemand mehr verstand. Wo unsere Quelle unsicher ist, steht das so da — und wo sie nichts sagt, bleibt das Feld leer.

Sehen

Zu dieser Frage haben wir keinen brauchbaren deutschsprachigen Film gefunden. Gesucht wurde über mehrere Formulierungen; was kam, waren Vokabellisten und Werbebeiträge. Ein unpassendes Video wäre schlechter als keines — sobald uns eines begegnet, steht es hier.

Woher unsere Steine ihren Namen haben

49 Porträtsteine tragen eine belegte Namensherkunft. Sie stammt aus Wikidata und nennt das Bezugswort, nicht die ganze Herleitung — wo die Quelle unsicher ist, steht das im Text der jeweiligen Steinseite.

Steinbenannt nach
AchatDirillo
AnhydritA- · Hydro
ApatitTäuschung
AquamarinMeerwasser
AragonitMolina de Aragón · Aragonien
AzuritBlau
Barytschwer
BernsteinAmbra
BeryllBeryllos 3 (Pauly-Wissowa)
CalcitBaukalk
ChalkopyritKupfer · Pyrit
ChrysokollGold · Leim
CitrinZitrone · Zitronatzitrone
DiamantInvincible
DisthenDunkelblau
DolomitDéodat Gratet de Dolomieu
EpidotHinzufügen
FluoritStrömung
GalenitBleierz
GranatGranatapfel
Graphitschreiben
HämatitBlut · Stein
JadeitJade
KorundRubin
LabradoritLabrador-Halbinsel
LapislazuliStein · Himmel
MagnetitMagnisia
MalachitMalven · Pfau
Mikroklinschiefe Ebene · micro-
MondsteinMond
MuskovitGroßfürstentum Moskau
NephritNiere
OlivinOliv
OnyxNagel
OrthoklasSpaltbarkeit · Orthogonalität
PrehnitHendrik van Prehn
PyritFeuer
QuarzQuerkluft
RhodochrositRose · Farbe
RhodonitRose
SerpentinSchlange
SodalithSoda
SphaleritTäuschung
SpinellDorn
TopasSt.-Johannes-Insel
TurmalinElektrizität
TürkisTürkei
ZirkonGold
ZoisitSigmund Zois von Edelstein

Woher das hier stammt

Die Angaben dieser Seite sind am 20.08.2026 an den Fachartikeln zu Amethyst, Kyanit, Achat, Malachit, Kobalt, Magnetit und International Mineralogical Association geprüft worden. Der Rohtext liegt bei uns als Beleg — kein Satz dieser Seite stammt von dort. Werte zu einzelnen Steinen kommen aus unserer eigenen Datenbank und tragen je Angabe ihre Fundstelle (Quellen). Namensdeutungen sind philologische Befunde. Wo mehrere Herleitungen im Umlauf sind, nennen wir die, die unsere Quelle führt — und sagen es, wenn sie unsicher ist.

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