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Gestaltkunde

Sind es denn immer Steine? — Nein. Eines der anerkannten Minerale ist flüssig, eines der bekanntesten Schmuckstücke ist gar kein Mineral, und der Nierenstein ist mineralogisch eines.

Was ein Mineral ist

Die Bestimmung ist kürzer, als man denkt: Ein Mineral ist ein chemisches Element oder eine chemische Verbindung, die natürlich und durch geologische Prozesse entstanden ist, chemisch einheitlich und in aller Regel kristallin ist. Zu den geologischen Prozessen zählen ausdrücklich auch solche auf anderen Planeten und Monden — ein Mineral muss nicht von der Erde stammen.

Das Wort selbst kommt aus dem Bergbau: mittellateinisch aes minerale, „Grubenerz“, im 16. Jahrhundert nach französischem Vorbild gebildet. Die Mehrzahl heißt in der Wissenschaft Minerale; Sammler und Händler sagen Mineralien. Beides ist richtig.

Sechs Fälle, und nur die Hälfte sind Minerale

Was ein Mineral ist — und was nur so aussiehtDer FallMineral?weil …Bergkristalljafest, kristallin, natürlich entstanden — der RegelfallQuecksilberjaflüssig, und trotzdem als Mineral anerkanntOpalneinhat kein Kristallgitter — amorph, also ein MineraloidBernsteinneinwar Baumharz — organisch, kein geologischer KristallFeuersteinneinein Gemisch aus drei Phasen — damit ein GesteinNierensteinjaWhewellit und Weddellit sind anerkannte Mineralarten

Die Grafik lässt sich seitlich schieben.

Quecksilber ist die berühmteste Ausnahme: Es kommt auf der Erde nur flüssig oder gasförmig vor und ist trotzdem als Mineral anerkannt. Damit fällt die Bedingung „fest“ als Erste.

Opal fällt an der Bedingung „kristallin“. Er besteht aus winzigen Kieselsäurekügelchen ohne Fernordnung — amorph. Genau daher hat er sein Farbenspiel: Das Licht wird an der regelmäßigen Packung dieser Kügelchen gebeugt, nicht von einem Farbstoff erzeugt. Neben den amorphen gibt es die metamikten Stoffe — ehemals kristalline Minerale, deren Gitter durch die Strahlung eingebauter radioaktiver Elemente zerstört wurde. Alter Zirkon kann in diesen Zustand geraten.

Für beide zusammen gibt es den Begriff Mineraloid. ⚠ Er ist vor allem in amerikanischen Lehrbüchern zu Hause; im deutschen Sprachraum hat er sich nie durchgesetzt — deshalb steht er in einem deutschen Bestimmungsbuch oft gar nicht.

Was aussieht wie ein Stein und keiner ist

Bernstein war Baumharz. Er ist organisch, nicht kristallin und nicht durch geologische Prozesse im engeren Sinn entstanden — er ist ein Schmuckstein, aber kein Mineral. Dasselbe gilt für die Perle, für Gagat und für Korallen.

Der lehrreichste Fall ist der Feuerstein. Er besteht aus reinem Siliciumdioxid, ist also chemisch so einheitlich wie Bergkristall — und trotzdem kein Mineral, sondern ein Gestein. Der Grund: Er ist ein Gemisch aus drei Bauformen desselben Stoffes (Tiefquarz, Mogánit und Opal). Chemische Einheitlichkeit genügt nicht, es braucht auch strukturelle. Der Unterschied zwischen Mineral und Gestein liegt also nicht im Stoff, sondern in der Ordnung.

Und umgekehrt: der Nierenstein ist eines

Die meisten Minerale sind anorganisch, aber die Regel hat ausdrückliche Ausnahmen. Mellit und Evenkit sind organische Verbindungen und trotzdem anerkannte Mineralarten, weil an ihrer Bildung geologische Prozesse beteiligt waren. Und Whewellit und Weddellit, die beiden Calciumoxalate, sind vollwertige Minerale — es sind zugleich die Stoffe, aus denen die meisten Nierensteine bestehen. Wer einen hat, trägt mineralogisch gesehen eine anerkannte Art mit sich herum.

Vom Kristall zum Gestein — drei Stufen

StufeWas sie istWoran man sie erkennt
Kristallein einzelnes Individuum einer Mineralart mit durchgehendem Gitterebene Flächen, feste Winkel zwischen ihnen
Aggregatviele Kristalle derselben oder verschiedener Arten, regellos miteinander verwachsenzehn Grundformen — von traubig über faserig bis derb
Gesteinein natürlicher Verband aus mehreren Mineralartenman sieht die verschiedenen Bestandteile nebeneinander

Wichtig ist die Abgrenzung des Aggregats nach oben: Beim Zwilling wachsen zwei Kristalle nach einer festen Gesetzmäßigkeit zusammen — beim Aggregat wachsen sie regellos durcheinander. Das eine ist Ordnung, das andere Gedränge. Und Habitus und Tracht beschreiben, was dabei herauskommt: die Tracht sagt, welche Flächenarten auftreten, der Habitus, ob das Ergebnis nadelig, tafelig oder gedrungen wirkt. Derselbe Stoff, dieselbe Art, ganz verschiedene Gestalt.

Wie unsere Datenbank damit umgeht

Wie wir es führenEinträgeWas das heißt
Mineralart6.310eine von der IMA anerkannte eigenständige Art
Varietät184eine benannte Spielart, die keine eigene Art ist — Amethyst, Tansanit
Gestein3ein Verband mehrerer Arten, der als Schmuckstein geführt wird
organisch1was aus Lebewesen stammt und trotzdem in jeder Steinsammlung liegt

Diese Spalte ist der Grund, warum bei uns Bernstein und Obsidian stehen, obwohl beide keine Minerale sind: Wer nach ihnen sucht, sucht in einer Steindatenbank. Aber sie stehen gekennzeichnet da — die Einordnung ist Teil der Auskunft, nicht ihr Kleingedrucktes.

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Was bei uns steht, ohne eine Mineralart zu sein

Diese Steine haben eine eigene Seite, weil jemand nach ihnen sucht — aber sie sind gekennzeichnet. Die Einordnung gehört zur Auskunft.

Varietäten — benannte Spielarten ohne eigenen Artstatus

Achat Amazonit Amethyst Aquamarin Aventurin Bergkristall Chalcedon Citrin Jaspis Karneol Mondstein Nephrit Onyx Rauchquarz Rosenquarz Rubin Saphir Smaragd Tigerauge

Gesteine — Verbände mehrerer Mineralarten

Lapislazuli Obsidian Unakit

Organisches — entstanden aus Lebewesen

Bernstein

Woher das hier stammt

Die Angaben dieser Seite sind am 20.08.2026 an den Fachartikeln zu Mineral, Mineralaggregat, Amorphes Material, Kristallhabitus und Mineraloid geprüft worden. Der Rohtext liegt bei uns als Beleg — kein Satz dieser Seite stammt von dort. Werte zu einzelnen Steinen kommen aus unserer eigenen Datenbank und tragen je Angabe ihre Fundstelle (Quellen).

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