Mengenkunde
Wie häufig ist ein Mineral wirklich — und was genau meint jemand, der „selten“ sagt?
Zehn Minerale bauen fast die ganze Erdkruste
Es gibt über sechstausend anerkannte Mineralarten. Für den Bau der Erdkruste braucht die Natur davon zehn: Nach einer Modellrechnung machen zehn Minerale beziehungsweise Mineralgruppen rund 95 Prozent ihres Volumens aus. Alles andere, was je gefunden, beschrieben und benannt wurde, teilt sich die restlichen fünf.
Die Grafik lässt sich seitlich schieben.
Belegt sind zwei Zahlen: Die Feldspate stellen fast 60 Prozent, und zehn Gruppen zusammen rund 95. Wie sich die übrigen neun auf die verbleibenden 35 Prozent verteilen, ist in der Grafik aufgeteilt, nicht gemessen — deshalb steht es hier und nicht in der Bildunterschrift.
Die Feldspate sind damit das eigentliche Gestein der Welt —
Orthoklas,
Mikroklin und
Labradorit sind Feldspäte, ebenso der halbe Granit jeder Küchenarbeitsplatte. Und selbst die Mondhochländer bestehen zu großen Teilen daraus. Erst danach kommt
Quarz, das zweithäufigste Mineral der Erdkruste — das, was jeder für den Inbegriff des Steins hält, steht schon auf Platz zwei.
Und dahinter: drei Elemente
Die Grafik lässt sich seitlich schieben.
93 der 118 chemischen Elemente kommen in der Erdkruste vor. Drei davon machen 82 Gewichtsprozent aus. Die anderen 85 zusammen — darunter Eisen, Kupfer, Gold, Lithium, Seltene Erden, also praktisch alles, worum die Welt streitet — kommen auf 5,6 Prozent. Für den mittleren Massenanteil eines Elements in der Lithosphäre gibt es einen eigenen Begriff, den Clarke-Wert, benannt nach dem Geochemiker Frank Wigglesworth Clarke.
Fast die Hälfte aller Minerale verdankt es dem Leben
Das ist der Befund, der diese Seite trägt, und er ist wenig bekannt. Die Mineralvielfalt der Erde ist nicht von Anfang an dagewesen — sie ist gewachsen. Bei der Entstehung der ersten Meteoritenkörper bildeten sich rund 60 verschiedene Minerale, in den größeren Vorläuferkörpern der Planeten kamen etwa 200 dazu. Heute sind es über sechstausend.
Den größten Sprung machte diese Zahl vor rund 2,5 Milliarden Jahren, als Lebewesen anfingen, freien Sauerstoff in die Atmosphäre zu entlassen — die Große Sauerstoffkatastrophe. Sauerstoff greift an, verbindet sich, oxidiert: Die Bildung von knapp der Hälfte aller heute bekannten Minerale wurde dadurch überhaupt erst möglich, vor allem bei den Oxiden, Hydroxiden und Erzmineralen. Ohne Leben gäbe es die meisten Steine dieser Datenbank nicht.
Ein zweiter Mitspieler ist das Wasser: Knapp zwei Drittel aller Minerale enthalten Wasserstoff als wesentlichen Bestandteil — als Hydroxidgruppe oder als eingebautes Wassermolekül. Es sind die kleinsten Ionen überhaupt, sie passen in fast jede Lücke und halten Strukturen zusammen, die sonst gar nicht bestehen könnten.
„Selten“ heißt dreierlei
Wer im Handel von einem seltenen Stein hört, sollte zurückfragen, welche der drei Bedeutungen gemeint ist — sie haben miteinander wenig zu tun.
| Was gemeint sein kann | Wovon es abhängt | Beispiel |
|---|---|---|
| selten im Erdkörper | vom Vorrat der Elemente und den Bedingungen, unter denen sie sich verbinden | Gold ist selten — und trotzdem in jeder Stadt zu kaufen |
| selten in guter Qualität | von Reinheit, Farbe und Größe eines einzelnen Stücks | |
| selten im Handel | davon, ob jemand es abbaut, aufbereitet und anbietet | viele Mineralarten sind nur von wenigen Fundstellen bekannt und werden nie verkauft |
Die dritte Zeile ist der Grund, warum eine Sammlung nie vollständig wird. Ein erheblicher Teil der anerkannten Arten wurde an einer einzigen Stelle beschrieben, oft in Mengen, die man mit dem Mikroskop suchen muss. In der Gesteinsbeschreibung heißen solche Minerale Akzessorien — sie machen weniger als ein Prozent des Gesteins aus. Hauptgemengteil ist, wer über zehn Prozent stellt.
Was in unserer Datenbank steht — und was nicht
Unser Verzeichnis führt 6.498 Einträge. Die Mineralarten darin stammen aus Wikidata; die Internationale Mineralogische Vereinigung führte im Juli 2026 6.226 anerkannte Arten. Rechnet man Varietäten, Synonyme und noch nicht anerkannte Arten hinzu, existieren über siebentausend Mineralnamen — deshalb findet man bei uns auch Namen wie Tansanit oder Aquamarin, die mineralogisch gar keine eigene Art sind.
Und wir weisen die Tiefe aus, statt Dünnes wie Dichtes aussehen zu lassen: 68 Steine haben einen eigenen Text mit Deutung, Klang und Galerie, 1.768 tragen einen Steckbrief aus gemessenen Werten, der Rest steht mit Namen und Kennung im Verzeichnis. Eine eigene Seite bekommt nur, wer etwas zu zeigen hat. Ein Verzeichnis mit sechstausend leeren Seiten wäre größer und wertloser.
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Unser Bestand nach Mineralklassen
1804 unserer Einträge tragen eine belegte Mineralklasse nach Strunz. Die Verteilung ist keine Aussage über die Erdkruste, sondern über das, was beschrieben und benannt worden ist — die Silikate bauen die Welt, aber gezählt werden andere Gruppen ähnlich oft.
| Klasse | Arten bei uns | Anteil |
|---|---|---|
| Sulfide und Sulfosalze | 332 | 18,4 % |
| Oxide und Hydroxide | 251 | 13,9 % |
| Phosphate, Arsenate und Vanadate | 246 | 13,6 % |
| Silikate und Germanate | 107 | 5,9 % |
| Halogenide | 66 | 3,7 % |
| Phosphate, Arsenate, Vanadate | 53 | 2,9 % |
| Silikate und Germanate – Ringsilikate | 51 | 2,8 % |
| Carbonate und Nitrate | 36 | 2,0 % |
| Sulfate (einschließlich Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate) | 35 | 1,9 % |
| Elemente | 34 | 1,9 % |
| Silikate und Germanate – Schichtsilikate (Phyllosilikate) | 33 | 1,8 % |
| Silikate und Germanate – Inselsilikate (Nesosilikate) | 32 | 1,8 % |
Woher das hier stammt
Die Angaben dieser Seite sind am 20.08.2026 an den Fachartikeln zu Erdkruste, Gesteinsbildendes Mineral, Feldspat, Quarz, Mineral und Clarke-Wert geprüft worden. Der Rohtext liegt bei uns als Beleg — kein Satz dieser Seite stammt von dort. Werte zu einzelnen Steinen kommen aus unserer eigenen Datenbank und tragen je Angabe ihre Fundstelle (Quellen). Die Aufteilung der 35 Prozent zwischen Quarz und den übrigen acht Gruppen in der ersten Grafik ist unsere Aufteilung belegter Eckwerte, kein Messwert.